Kieler Start-up Spotlight: MyProtectify – Digitale Hilfe für ein Leben ohne Gewalt

MyProtectify wurde 2024 von Sogol Kordi gegründet, die selbst jahrelang Opfer häuslicher Gewalt war. Nach ihrer Befreiung aus dieser Situation erkannte sie die Lücken im Hilfesystem und entwickelte die Vision, Betroffenen eine digitale, sichere Unterstützung anzubieten. 

Hilfsangebote für Opfer häuslicher Gewalt sind oft unsicher, schwer zugänglich und fragmentiert. MyProtectify bietet mit ihrem KI-gestützten Hilfe-Chat eine anonyme, rund um die Uhr verfügbare Unterstützung für Betroffene - ein entscheidender Vorteil in Situationen, in denen Kontrolle und Überwachung durch die gewalttätige Person eine Gefahr darstellen.

Zudem begleitet MyProtectify Betroffene langfristig bei der Suche nach einer sicheren Unterkunft, einem neuem Job und finanzieller Hilfe. Durch Workshops und Impulsvorträge bei Unternehmen stärken sie das Bewusstsein für häusliche Gewalt am Arbeitsplatz, um Opfern einen sicheren Raum zu bieten.

Das Start-up setzt dort an, wo das Hilfesystem an seine Grenzen kommt – für ein selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt.

Das Team von MyProtectify vereint Expertise, Leidenschaft und persönliche Erfahrung, um einen echten gesellschaftlichen Wandel zu bewirken. Neben Sogol Kordi ist Tobias Pörtner Co-Founder und sorgt für die innovative Weiterentwicklung des Start-ups. Zudem ergänzen Ronja Zimmermann, Benedikt Görges und Ann Rheinheimer das Team mit ihrer Expertise in Psychologie, Business Strategy und User Experience.

MyProtectify_Teamfoto

Wir haben einmal genauer bei MyProtectify nachgefragt, wie sie bisher auf ihrem Weg in der Gründungszene in Kiel, sowohl finanziell als auch fachlich, unterstützt wurden und was für sie das Besondere am Kieler Wirtschaftsstandort ist.

Was bietet Euch Kiel als Gründungsstandort für Vorteile?

Die Stadt ist klein und familiär, was bedeutet, dass Netzwerke schnell aufgebaut werden können und der Austausch mit anderen Gründer*innen auf kurzen Wegen möglich ist. Die enge Startup-Community ermöglicht es, schnell Unterstützung zu finden – sei es durch Mentoring, Kooperationen oder den direkten Draht zu relevanten Stakeholdern.

Durch Initiativen wie das Waterkant Festival, die starterkitchen oder #diwokiel gibt es zahlreiche Plattformen für Austausch, Sichtbarkeit und Wissenstransfer. Zusätzlich fördert die Stadt mit verschiedenen Programmen und Fördermitteln gezielt junge Unternehmen und Innovationen.

Welche Infrastruktur in Kiel nutzt Ihr für Euer Start-up, welche sind bisher besonders wertvoll?

Besonders wertvoll für uns ist der enge Kontakt zur starterkitchen. Die starterkitchen bietet nicht nur großartige Arbeitsräume, sondern auch ein starkes Netzwerk aus Gründer*innen und Mentor*innen, die uns kontinuierlich unterstützen und inspirieren. Der direkte Austausch in diesem Umfeld hat uns enorm weitergebracht.

Ein weiterer wichtiger Meilenstein war der "Start a Start-up"-Kurs von opencampus.sh, den Sogol damals besucht hat. Dort hat sie die Grundlagen für MyProtectify gelegt und durch die praxisnahen Workshops wertvolle Unterstützung erhalten. Diese Erfahrungen waren entscheidend für unseren Start und haben uns auf die nächsten Schritte vorbereitet.

Welche Art von Unterstützung habt ihr bisher auf Eurem Weg erhalten?

Wir haben sowohl beratende als auch finanzielle Unterstützung erhalten, die uns maßgeblich vorangebracht hat.

Beratung & Netzwerk

Sogol nimmt z.B. am "Ten More In Leadership Coaching" für Frauen teil, das unter anderem von Lea-Sophie Cramer gegründet wurde. Zudem erhalten wir wertvolle Impulse aus der Politik, von Verbänden und durch verschiedene Förderprogramme.

Besonders beeindruckend ist die Unterstützung zahlreicher Expert*innen und Mentor*innen, die uns oft unbezahlt mit Coaching, strategischer Beratung und offenem Austausch begleiten. Dazu gehört auch Kiel.Accelerates, an dem wir mit einer Wildcard teilnehmen dürfen.

Finanzierung

Gateway49-Accelerator: Finanzielle Unterstützung & Zugang zu einem starken Netzwerk

InnoImpact-Programm der IFB Bank: Förderung zur Weiterentwicklung unseres Projekts

● Diverse Preisgelder, Gewinne und Auszeichnungen, u.A. die Reise ins Silicon Valley von Plug and Play über das Waterkant 2024.

Diese Unterstützung hat uns geholfen, MyProtectify kontinuierlich weiterzuentwickeln und nachhaltige Lösungen für Betroffene zu schaffen.

Bootstrapping, Venture Capital, Fördermittel, Darlehen, ... wie seid ihr finanziert und welche Tipps habt Ihr für andere Start-ups auf der Suche nach Kapital?

Wir finanzieren uns größtenteils über Fördermittel, ergänzt durch Preisgelder und Spenden. Zusätzlich generieren wir Einnahmen durch Workshops und Impulsvorträge.

Tipps für andere Start-ups:

  1. Nie allein auf eine Finanzierungsquelle verlassen – Diversifikation ist essenziell.
  2. Förderprogramme gezielt nutzen – Es gibt viele branchen- und regionsspezifische Programme.
  3. Accelerator-Programme als Chance nutzen – Sie bieten Kapital, Kontakte und Beratung.

Netzwerk aktiv nutzen – Viele Fördermöglichkeiten hätten wir ohne den Austausch mit anderen nie entdeckt.

Was waren Eure größten Herausforderungen auf Eurem Weg bis heute und insbesondere bei der Suche nach externen Finanzmitteln?

Eine der größten Herausforderungen ist es, das Tabu rund um häusliche Gewalt zu brechen. Viele Menschen meiden das Thema, wodurch es anfangs schwierig war, darüber zu sprechen und die nötige Unterstützung zu finden.

Besonders bei der Suche nach externen Finanzmitteln war das oft eine Hürde. Viele Investor*innen, Business Angels und Accelerator-Programme konzentrieren sich auf skalierbare IT-Innovationen, während gesellschaftliche Probleme oft weniger Aufmerksamkeit bekommen. Als gemeinnütziges Start-up sind wir zudem für klassische VCs unattraktiv, da wir keine Renditen erwirtschaften.

Doch unsere Erfahrung zeigt: Es geht nicht immer um die neueste Technologie oder das glänzendste Produkt – sondern darum, reale Probleme zu lösen. Und häusliche Gewalt betrifft uns alle. Diese Erkenntnis hat uns nicht nur motiviert, sondern uns auch geholfen, Investor*innen und Fördermittelgeber zu finden, die auf sozialen Impact setzen und Projekte unterstützen, die wirklich etwas verändern.

Was könnt Ihr anderen Gründer*innen als Tipps mit auf den Weg geben?

In deiner Angst steckt dein größtes Potenzial. Zweifel, Stress und Unsicherheiten gehören zum Gründen dazu – und es gibt Momente, in denen sie überwiegen. Doch das ist nur temporär. Sobald man sich diesen Ängsten stellt, eröffnen sich oft die größten Chancen.

Als Team haben wir gelernt, dass Angst nicht dauerhaft ist, sondern oft ein Zeichen dafür, dass man an einem Wendepunkt steht. Die Herausforderungen, die uns anfangs überwältigt haben, wurden später zu den wichtigsten Lektionen, die uns stärker und resilienter gemacht haben.

Unser wichtigster Tipp: Bleibt dran, auch wenn es schwer wird. Die schwierigsten Phasen gehen vorbei – und wer durchhält, wächst daran.

Welche Unterstützung aus unserem Netzwerk kann Euch dabei helfen noch weiter zu wachsen?

Unser Wachstum hängt stark davon ab, dass das Thema häusliche Gewalt sichtbarer wird und Unternehmen, Organisationen sowie politische Akteur*innen aktiv zur Lösung beitragen.

Besonders hilfreich sind:

Partnerschaften mit Unternehmen, die unsere Workshops buchen

Sichtbarkeit & Verbreitung um unser Angebot weiter zu verbreiten

Strategische Kooperationen mit Förderinstitutionen, Forschungseinrichtungen, Politik und Tech-Partnern, um den KI-gestützten Hilfe-Chat weiterzuentwickeln und langfristig zu finanzieren

Jede Person oder Organisation, die unsere Mission teilt, kann aktiv dazu beitragen, MyProtectify weiter wachsen zu lassen – sei es durch Empfehlungen, Netzwerkkontakte oder finanzielle Unterstützung.

Sie wollen noch mehr über MyProtectify erfahren oder können das Start-Up mit Ihrem Netzwerk und Know-how unterstützen?

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