Story

Erfolgsprojekt der interkommunalen Zusammenarbeit zwischen Kiel und Melsdorf im Gewerbegebiet „Rotenhof“

16. Juli 2021 - Drei Worte beschreiben zusammenfassend und norddeutsch-prägnant die erfolgreiche, mehrjährige Zusammenarbeit zweier benachbarter Kommunen beim Erreichen eines gemeinsamen wirtschaftspolitischen Zieles: Partnerschaft auf Augenhöhe. Mit den 15 Unternehmen sind dort rund 550 neue Arbeitsplätze entstanden.

Nur sechs Jahre nach der Vertragsunterzeichnung zur Planung und Realisierung des interkommunalen Gewerbegebietes (2015) zwischen Melsdorfs Bürgermeisterin Anke Szodruch und dem Kieler Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer ist das 20 ha große Gelände an der westlichen Stadtgrenze von Kiel nicht wiederzuerkennen: wo einst Felder bestellt wurden und Landmaschinen ihre Bahnen fuhren, herrscht jetzt auf einer modernen Wirtschaftsfläche ein stetiger Zulieferverkehr, stehen moderne Hallen und Gebäude und bunte Betriebslogos wehen auf großen Fahnen im Wind.

Kiel schaut über den Tellerrand
Für nachhaltiges Wachstum benötigt Kiel Gewerbe- und Industrieflächen. Die Entwicklung von Wirtschaftsflächen ist deshalb eine wichtige Aufgabe einer aktiven Wirtschaftsförderung. Für die Landeshauptstadt Kiel wird ein Flächenbedarf von ca. 71,3 ha bis 2030 bzw. 5,94 ha pro Jahr prognostiziert. Dem gegenüber steht ein vermutetes Angebot von 37,7 ha. Daraus ergibt sich ein Fehlbedarf von rund 35 ha bis zum Jahr 2030.1 Wie kann Kiel seinem Flächenbedarf also innerhalb der eigenen kommunalen Grenzen nachkommen? Der Flächenengpass kann u.a. durch die Nutzung von interkommunalen Flächen mit den Umlandgemeinden ausgeglichen werden.

Interkommunale Gewerbegebiete
Das Prinzip von interkommunaler Zusammenarbeit, insbesondere zwischen Ballungsräumen und Umlandgemeinden, ist schon lange bekannt. Genauso lange gibt es aber mitunter auch lokales Konkurrenzdenken bezüglich des Abwerbens von Arbeitskräften, Unternehmen und einem Verlust der Steuerkraft. Inzwischen ist aber vielen Kommunen klar, dass genau diese regionale Zusammenarbeit das Gegenteil bewirken kann und eine Win-Win-Situation ist. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinaus, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit einer ganzen Region und liefert einen Schub für die Wirtschaftskraft. Kosten und Erträge werden fair geteilt.

Realisierung des Gewerbegebiets „Rotenhof“
Bereits vor der Vertragsunterzeichnung im Juni 2015 liefen die Planungen für das gemeinschaftliche Projekt zwischen der Gemeinde Melsdorf und der Landeshauptstadt Kiel auf Hochtouren. Aufgrund des bis dahin fehlenden Baurechtes wurde zunächst durch die Gemeinde Melsdorf in Zusammenarbeit mit der zuständigen Amtsverwaltung Achterwehr die Erstellung eines B-Plans vorangetrieben und die Erschließungsplanung abgeschlossen. Es folgten mit Unterstützung der Kieler Wirtschaftsförderung Fördermittelanträge, Kaufverträge, Kalkulationen, Beschlussvorlagen und das Einbinden diverser Kooperationspartner. Dabei wurden alle erforderlichen Entscheidungen von den Vertragspartnern gemeinschaftlich abgestimmt. Bereits zwei Jahre später konnte mit der Erschließung und anschließender Vermarktung des Geländes durch die Kieler Wirtschaftsförderung (KiWi) begonnen werden. Für die Erschließung des Gebiets werden vom Land Schleswig-Holstein Mittel in Höhe von 995.037 € aus der Infrastruktur-Förderung (GRW) zur Verfügung gestellt, die aber aufgrund einer sehr wirtschaftlich durchgeführten Erschließung nicht ausgeschöpft wurden.

Geplant und umgesetzt wurde die verkehrliche Haupterschließung des Gewerbegebietes direkt an die Kreisstraße K4. Das Gebiet wurde aufgrund der sehr hohen konkreten Interessenlage im Vorfeld der Erschließungsplanung dabei so strukturiert, dass Grundstücke von ca. 2.500 m² ebenso angeboten werden konnten wie ein Grundstück mit 40.000 m². Während sich der südliche Teil aufgrund der größeren Grundstückstiefen für größere Grundstücke eignet, wurde der westliche Teil wegen überwiegend geringerer Grundstückstiefen für kleinere Grundstücksflächen konzeptioniert.
Damit wurde ein Flächenangebot geschaffen, das die Bedarfe von kleinen und mittleren Unternehmen ebenso deckt wie das von Großunternehmen. Nach Abzug der notwendigen Erschließungsanlagen und Ausgleichsflächen verblieben für die Unternehmen nutzbares Nettobauland von ca. 14,5 ha. Durch den räumlichen Bezug zur Landeshauptstadt und die Anbindung an den überregionalen Verkehr über die A210 wurden optimale Standortvorteile für die Ansiedlung von Unternehmen in der Gemeinde Melsdorf geschaffen.

Ansiedlung und Branchenmix
Seit 2018 und somit bereits vor Abschluss der Erschließungsarbeiten hat die KiWi die Vermarktung dieser interkommunalen Wirtschafsfläche vorgenommen. Die erste Käufer*in eines Grundstücks (2018) im neuen interkommunalen Gewerbegebiet war eine „Kielerin“. Eine Tochtergesellschaft der Firma Scheidt & Bachmann (System Technik), bis dato in Kiel-Wellsee ansässig, hat sich klar für den Wirtschaftsraum KielRegion ausgesprochen. Mit einer Investition von knapp sechs Millionen Euro konnte auf einem 9.000 qm² großen Grundstück eine Erweiterung der Flächenkapazitäten von 25% bezogen auf die bis dahin genutzte Bürofläche realisiert werden. Neben dem Platzangebot war die Nähe zur Kieler Universität und zur Fachhochschule ein Entscheidungsgrund: für die Entwicklung von Hard- und Software braucht es kluge Köpfe!

Mit dem Verkauf der letzten beiden Grundstücke im Jahr 2021 ist das Gewerbegebiet vor den Toren Kiels nun komplett ausverkauft. Neben Scheidt & Bachmann haben 14 Unternehmen durch die erfolgreiche Vermarktung der KiWi ihren neuen Platz gefunden. Acht davon sind Kieler Unternehmen, fünf aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde und zwei Unternehmen konnten als Neuansiedlung in der KielRegion begrüßt werden. Insgesamt sind rund 550 neue Arbeitsplätze entstanden.

Der vorhandene Branchenmix ist breit gefächert. Insbesondere die Unternehmen mit einem logistischen Schwerpunkt, wie z.B. DPD, Hugo Hamann, Carl Stratz und WM Autoteile, haben den Standort ebenso bewusst aufgrund seiner Lage gewählt wie Unternehmen aus dem Großhandelssektor wie z.B. Kaiser & Stuckert. Auch die Vielzahl von Dienstleistungsunternehmen wissen die gute Erreichbarkeit für ihre qualifizierten Mitarbeiter und Kunden über die Autobahn, mit dem Bus oder dem Zug, der unmittelbar am interkommunalen Gewerbegebiet Rotenhof hält, zu schätzen. Ein Bauwerk fällt besonders auf: Die KletterBar Kiel betreibt eine Kletterhalle, dessen prägnanter und rund 16m hoher Kletterturm schon weithin sichtbar ist.

Was bleibt?
Die Gemeinde Melsdorf und die Landeshauptstadt Kiel sind vor sechs Jahren eine Partnerschaft eingegangen – jeder für sich zum Teil aus unterschiedlichen Gründen, aber mit einem gemeinsamen Ziel und geteilten Anstrengungen. In dem gemeinsamen Wirtschaftsraum sind dadurch dauerhaft neue Arbeitsplätze entstanden, etablierte Unternehmen können mit und an dem neuen Standort ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern und leisten damit ihren Beitrag für eine vereinte und gestärkte Region. Die von allen Beteiligten gelebte Kooperation auf Augenhöhe ist ein zukunftsweisendes Vorbild für die Zusammenarbeit zwischen benachbarten Kommunen.

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